DeepDive
PLM, ERP, PIM, MES – wo die DPP-Daten wirklich liegen
In fast jedem DPP-Projekt kommt früh die Frage nach „der DPP-Software" auf. Sie führt meist in die Irre. Der Digitale Produktpass ist in erster Linie ein strukturierter Informationsraum – die Daten dafür existieren größtenteils schon, nur verteilt über Systeme, Abteilungen und Lieferanten.
Die typische Systemlandschaft
Wo die DPP-relevanten Informationen üblicherweise liegen, lässt sich gut nach Lebenszyklusphase sortieren:
- PLM – Konstruktion, Stücklisten, Materialien, technische Spezifikationen, Varianten.
- ERP – Stammdaten, Lieferanten, Chargen, Beschaffung, Mengengerüste.
- PIM – vermarktungsnahe Produktinformationen, Texte, Medien, Kanalvarianten.
- MES – Produktions- und Qualitätsdaten, Herkunft, Prozessparameter, Seriennummern.
- CRM/Service – Reparaturen, Wartungen, Ersatzteile, Servicehistorie aus der Nutzungsphase.
Der DPP ist kein weiteres Silo
Wird der DPP als eigenständiges System aufgesetzt, in das Daten manuell übertragen werden, entsteht ein weiteres Silo mit eigenem Pflegeaufwand und eigener Veraltungsgeschwindigkeit. Nachhaltig ist die umgekehrte Richtung: Der DPP wird zur Sicht auf die führenden Systeme, mit klar definierten Datenquellen je Feld – ein Feld, ein führendes System.
Integrationsmuster in der Praxis
- Direktanbindung: Der DPP zieht Daten per Schnittstelle aus den führenden Systemen. Schlank, aber empfindlich gegenüber Verfügbarkeit und Lastspitzen.
- Datendrehscheibe: Eine Integrationsschicht sammelt, harmonisiert und versorgt den DPP. Mehr Aufwand, dafür ein sauberer Ort für Mapping und Datenqualität.
- DPP-Service-Provider: Speicherung, Registrierung und Bereitstellung werden ausgelagert. Die rechtliche Verantwortung bleibt beim verantwortlichen Wirtschaftsteilnehmer.
Die unterschätzte Anforderung: Aktualisierbarkeit
Ein DPP ist kein Snapshot zum Zeitpunkt des Inverkehrbringens. Informationen sollen über den Lebenszyklus ergänzt und aktualisiert werden können – Reparaturen, Ersatzteile, Wiederverwendung, Recycling. Das ist weniger eine technische als eine prozessuale Frage: Wer pflegt was, wann, mit welcher Freigabe? Wer diese Frage erst nach der Systemauswahl stellt, baut zweimal.